Vorab das große ABC: Ästhetik, Bildung, Curriculum.

„Ästhetische Bildung ist schon aus ihrer Begriffsgeschichte heraus immer Bildung der Sinne und zugleich sinnliche Bildung. Dass dabei die Sinne ohne den Begriff blind sind, ist eine alte Weisheit. Kognitives Wissen ist eine wesentliche Basis für ästhetische Bildung und Reflexion muss künstlerische Rezeption und Produktion durchdringen, um einem (letztlich dann auch schulischen) Bildungsanspruch zu genügen. Doch das Ziel dieser Bildung kann nicht der Begriff, der Diskurs, die kognitive Leistung sein, sondern es ist die sinnliche Wahrnehmung.“ (Dr. Ernst Wagner: „Warum und mit welchem Ziel betreiben wir ästhetische Bildung?“ Nachwort in: Ästhetische Bildung, Handreichung 2009, ISB)

Das Programm der ästhetischen Bildung – hier in Einengung auf das Fach Kunst – hat drei Standbeine: die Wahrnehmung, die Reflexion und die (damit eng verbundene) gestalterische Produktion. Zur sinnstiftenden Stabilisierung (viertes Bein) haben alle drei Aufgaben die umfassende Persönlichkeitsbildung zum Ziel. Mehr zum Lehrplan im Fach Kunst finden Sie hier...

Kunst wird in der Unterstufe (5/6/7) zweistündig, in der Mittelstufe (8/9/10) einstündig und in der Kollegstufe wieder doppelstündig unterrichtet.

Es besteht die Möglichkeit, die mündliche Abiturprüfung (Colloquium) in Kunst abzulegen. Das schriftliche Abitur ist durch die Wahl von zwei zusätzlichen Stunden (dem Additum) möglich. P- und W-Seminare erweitern das kunstpädagogische Angebot in der Kollegstufe. Regelmäßig stattfindende Studien- und Seminarfahrten zu ständigen oder aktuellen Ausstellungen von überregionaler Bedeutung, wie der Besuch der Documenta Kassel und der Biennale Venedig, bieten den Kollegiaten die Möglichkeit, Gelerntes anzuwenden und zu vertiefen.


Kunst am Oskar

In allen Jahrgangsstufen finden – vorzugsweise fächerübergreifend – Museumsbesuche statt.

Tradition haben am Oskar über Jahrzehnte kleinere und größere Ausstellungen im Schulhaus sowie künstlerische Projekte zur Schulhausgestaltung, wie etwa die Gestaltung der Räumlichkeiten der Cafeteria. Die Kunst am Oskar ist darüber hinaus stets beteiligt an der Gestaltung des Jahresberichts und des Schulkalenders und wirkt an fächerübergreifenden Projekten mit. Nach Möglichkeit wird ein (klassenübergreifender) Wahlkurs für besonders kunst- und kulturinteressierte Schüler/-innen angeboten.

Aber Faktist:

„Die Musen haben einen Feind, dem sie nicht gewachsen sind – das Nützliche.“

(Konrad Paul Liessmann)

 Die Verengung der Blickwinkel aus der Perspektive eines vorrangig ökonomisch gedachten Nützlichkeitsprinzips wirkt sich freilich auch auf die Leitlinien der ästhetischen Bildung und deren Stellung im Konzept von gymnasialer Bildung aus.

 „Ein Bildungsbegriff, der sich ganz an der Idee des Nützlichen orientiert, vergisst, dass Menschsein mehr bedeutet, als beschäftigungsfähig zu sein. Und ein Bildungsbegriff, der das Schöne instrumentalisiert, um den jungen Menschen die Orientierung in einer reizüberfluteten Welt zu erleichtern und ihnen Wettbewerbsvorteile einzuräumen, bringt eben diese Menschen um das Wunderbarste, zu dem Menschen fähig sind: die Hervorbringung und Wahrnehmung des Schönen um seiner selbst willen.“(Konrad Paul Liessmann: “Geisterstunde“, Kapitel 11/“Die Tränen der Muse“, S. 180 f)


Das kleine ABC

Im Anschluss nun mein kleines ABC, das Teil eines Artikels ist, den ich vor 22 Jahren für den Jahresbericht verfasste.

Für mich hat es nach wie vor Bekenntnischarakter.

Abbilden, abklatschen, abkratzen, abstrahieren, abtasten, analysieren, annähern, annehmen, assoziieren, aufnehmen, ausdrücken, auseinandersetzen, auslegen, ausschneiden. Bauen, befreien, begreifen, bebauen, beizen, beobachten, besprechen, betrachten, beziehen, bewegen, biegen, bilden, blasen. Collagieren. Darstellen, deformieren, dekorieren, denken, differenzieren, drucken. Einführen, einstimmen, empfinden, entwickeln, erfahren, erfinden, ergänzen, erinnern, erkennen, erkunden, erobern, erproben. Färben, falten, falzen, fassen, feilen, fertigen, fordern, formen, formulieren, frottieren, fühlen. Genießen, gestalten, gipsen, glasieren, gliedern, gravieren, , greifen, grübeln. Hämmern, helfen, hinsehen, hören. Identifizieren, informieren, imitieren, initiieren, innovieren, inszenieren, interpretieren. Jubeln. Karikieren, kleben, kleistern, kolorieren, kombinieren, komponieren, konkretisieren, kopieren, kratzen, kreieren, kritzeln. Lachen, lackieren, lasieren, lavieren, leisten, lernen, lockern, löten. Malen, marmorieren, maskieren, mischen, mitteilen, modellieren, montieren, mustern. Nageln, neigen, notieren, nutzen. Objektivieren, öffnen, organisieren, orientieren, ornamentieren, opponieren, ordnen. Perfektionieren, perforieren, persiflieren, planen, polieren, pressen, probieren, produzieren, proportionieren, provozieren. Qualifizieren. Radieren, raspeln, realisieren, reduzieren, reflektieren, reißen, ritzen. Sägen, sammeln, schablonieren, schneiden, schnitzen, schöpfen, schreiben, sehen, selbstbestimmen, sortieren, spachteln, spritzen, staunen, stempeln, studieren, strukturieren, suchen, systematisieren. Täuschen, teilen, tönen, träumen, transformieren, transportieren, treiben, tricksen, tropfen, tuschen. Übertragen, überzeugen, umgestalten, umsetzen, unterhalten, unterscheiden, untersuchen, urteilen. Verändern, verantworten, verbalisieren, verbinden, vergleichen, verinnerlichen, vermitteln, vermuten, verstehen, versuchen, vertauschen, vertrauen, vertreten, verwandeln, verwerfen, verwirklichen, verzerren, verzieren, verzweigen, vervielfältigen, visualisieren, vorstellen. Wachsen, wählen, wahrnehmen, walzen, warten, waschen, wecken, werken, werten, wirken, wischen, wollen, wundern. XYZaubern, zeichnen, zentrieren, zerlegen, ziselieren.

20.02.15

Karina Schmaeling